Ausgabe 01/10: Ist Europa möglich?
Diese Ausgabe mit dem Titel “Ist Europa möglich?” beschäftigt sich mit Europa, wie es von seinen älteren Bürgern und Bürgerinnen wahrgenommen wird. Die Autor/-innen, Ältere von Bildungsorganisationen verschiedener europäischer Länder, berichten sowohl über ihre Erfahrungen in internationalen Projekttreffen als auch über private Begegnungen, Wünsche und Anliegen.
Zudem haben wir für diese Ausgabe Informationen über gute Praktiken, Bildungsaktivitäten und Neuigkeiten zusammengestellt.
Leitartikel
Interkulturelle Erfahrungen Älterer in Europa
Carmen Stadelhofer, ZAWiW, Universität Ulm
Bei älteren Erwachsenen in Europa ist die interkulturelle Wahrnehmung und Zuordnungen der Anderen oft lebensgeschichtlich geprägt durch Erfahrungen aus der Kindheit und Jugend (Krieg, Flucht, Vertreibung, Zwangsarbeit, Grenzverläufe, Familientrennungen). Verfügen die Alten über die Bereitschaft und Fähigkeit zur (Selbst-)Reflexion, unterscheiden sie, wenn man sie befragt, in ihren Erfahrungen zwischen negativen oder ambivalenten und positiven Erlebnissen und Geschehnisse (konkrete Unterstützung in Not, überraschende Freundlichkeit, Feststellung von „Schicksalsgemeinschaft“).
Auch brachten die Kriegsumstände oft seltsame individuelle und kollektive Erfahrungen mit sich: z.B. wurden viele Deutsche aus den ehemaligen ostdeutschen Gebieten, wo sie mit Menschen anderer Nationalitäts- und Kulturzugehörigkeit friedlich zusammen gelebt hatten, vertrieben. Als sie dann in Westdeutschland ankamen, an irgendeinem ihnen oft vorher unbekannten Ort, wurden sie dort wie „Fremde“ behandelt [...] weiterlesen
Interkulturelle Begegnungen
Soča Fidler, Ljubljana, Slovenia
Dies ist unser erster Brief an Dich und wir hoffen, dass wir auch eine Antwort bekommen.
Wir sind eine Grupper slowenischer Frauen, die die englische Sprache mögen und gerne reisen. Weil unsere Rente nicht so hoch ist, bleiben wir dabei aber lieber in Deinem großen Garten, falls wir Deine Hilfe benötigen. [...] weiterlesen
Marlene Faul, Seniorstudierende, Ulm
Schon in jungen Jahren interessierte ich mich für andere Länder und ihre Menschen. So war ich bereits mit 16 Jahren, also im Jahre 1953, zusammen mit einer Freundin in Italien. Diese Reisen konnte ich im Laufe meiner Lebensjahre, heute bin ich 72, kontinuierlich fortsetzen und erweitern. [...] weiterlesen
Kristina Ehrhardt-Westerhaus, Neckarstadt
„Das ist doch nicht euer Ernst?“, fragten viele unserer Nachbarn, als sie von unseren Umzugsplänen erfuhren: von Feudenheim wollten wir in die Neckarstadt-West ziehen. Mehr als ein Vierteljahrhundert hatte ich mit meinem Mann Wolfgang und unseren drei Kindern in einem Einfamilienhaus in Feudenheim gewohnt, einem ruhigen Vorort Mannheims mit eindeutiger Mittelschichtstruktur- viele Ärzte, Lehrer, Anwälte, Psychologen. [...] weiterlesen
von Hanns Hanagarth, Seniorstudierender, ZAWiW, Ulm
Wer vor 60 Jahren -also 1949- durch die Stadt Lahr ging, glaubte sich in einer französischen Garnisonsstadt zu befinden. Also das habe ich jetzt etwas übertrieben, zumal ich damals als 5-jähriger Junge das wohl nicht so gut beurteilen konnte. Lahr – eine mittelbadische Kleinstadt zwischen Freiburg und Straßburg gelegen – war damals [...] weiterlesen
Barbara Heinze, Seniorstudierende, Ulm
Deutsch-russisches Begegnungsseminar in Kursk
Nach 10stündiger Busfahrt kommen wir am Mittwoch um Mitternacht in Kursk an. Es ist kalt und dunkel, kaum Straßenbeleuchtung. Wir “entknoten” unsere Beine und steigen steif aus dem Bus. Draußen steht erwartungsfroh eine Gruppe von etwa 15 Menschen, unsere zukünftigen Gasteltern, die mitten in der Nacht ausgeharrt hatten, um uns zu empfangen. [...] weiterlesen
Werner Toporski
Liebes Brautpaar, liebe Gäste!
Sinn einer Hochzeit ist es, Verschiedenes zusammenzuführen. Aus Individuen wird ein Paar, aus dem wieder Individuen mit einer ganz neuen Kombination von Eigenschaften hervorgehen. In diesem Fall gibt es nicht nur Deutsche in der Familie, sondern auch Kroaten, den Engländer Andrew, der mit deiner Schwester, Anja, bald nach Amerika ziehen wird und deren Kind zweisprachig aufwächst. [...] weiterlesen
Bildung
Der Grundtvig Workshop „Neue Medien in der Seniorenbildung – ein Brückenschlag für Europa“ fand vom 7. bis 13. März 2010 in Ulm/ Deutschland statt.
Die neuen Medien, speziell das Internet, ermöglichen innovative, interaktive Methoden zur Informationsgewinnung, Kommunikation und zu virtueller Kooperation. [...] weiterlesen
“Stories of a Possible Europe” ist der Name des Europäischen Projektes, das von Januar 2009 bis Januar 2010 von Einrichtungen der Erwachsenenbildung aus 6 Ländern (Italien, Spanien, Portugal, Slowenien, Großbritannien und Deutschland) mit Unterstützung des Programms „Europa der Burgerinnen und Bürger“ der Europäischen Kommission durchgeführt wurde. [...] weiterlesen
Methode für ein interkulturelles Rollenspiel
Im Rahmen von europäischen Treffen werden am ZAWiW immer wieder „Europäische Soirées“ durchgeführt. Dies ist eine interkulturelle Veranstaltungsart, die vom ZAWiW entwickelt wurde. Eine Person übernimmt die Rolle einer bedeutenden Person aus Geschichte [...] weiterlesen
Dana Steinová, Center of Lifelong Learning, Prague
Wer zwischen 1948 und 1989 in der Tschechoslowakei lebte, hatte sehr geringe Möglichkeiten zu verreisen. Reisen waren auf die Länder des Kommunistischen Blocks beschränkt. [...] weiterlesen
Aus der Projekt-Praxis
Senioren aus den Staaten durch die die Donau fließt, vernetzen sich und besuchen Städte die an der Donau liegen. Diesmal ist Wien an der Reihe.
Doris Becker, AK Europakontakte am ZAWiW der Universität Ulm
1994 bot das ZAWiW (Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung) der Uni Ulm innerhalb der jährlichen Frühjahrs- bzw. Herbstakademien für Seniorinnen und Senioren jeweils eine Arbeitsgruppe (AG) über die europäischen Institutionen in Brüssel, Straßburg und Luxemburg an. [...] weiterlesen
Die Begegnung mit dem Fremden
Birgit Meinhard-Schiebel, Mitglieder der Projektgruppe Danube-Networkers aus Wien
Die Danube Networkers haben erlebt, was es bedeutet, Fremde in der Fremde zu sein und Andere als Fremde zu erleben. Das Reizvolle der Begegnung mit dem Fremden – Reisende zu sein, Neues zu erleben – wiegt uns in der trügerischen Sicherheit, das neue Andere zu genießen. [...] weiterlesen
Erfahrungsberichte
Hildegard Neufeld, Bad Homburg, Deutschland
Es begann mit einem Prospekt, vielleicht gedankenlos oder aus unbewusster Reiselust mitgenommen. Tausende hiervon hält jedes Reisebüro zu jeder Reisesaison bereit. Erst einige Zeit später entdeckte ich beim Durchblättern ein besonderes Reiseangebot, eine Reise in meine alte Heimat, die ich vor drei Jahrzehnten hatte verlassen müssen. [...] weiterlesen
Branka Ribicic und Freund-/Innen, U3A POUZ, Zagreb, Kroatien
Mich interessierte, was meine Freunde und Bekannten über Europa denken und wie sie sich als Teil Europas fühlen, also habe ich einige von Ihnen dazu befragt. Dies soll keine Aussage für oder gegen die Europäische Union sein, sondern gibt nur die Erfahrungen meine Freunde wieder – derer, die in der EU leben und derer, die in Kroatien leben, welches sich gerade im Aufnahmeverfahren befindet. [...] weiterlesen
Dr. Dietmar Eisenhammer, Senior Volunteer, Wiesbaden
Eine Feststellung vorab: Nach einem abgeschlossenen Berufsleben sind Freiwilligeneinsätze von Senioren unabdingbar, um in dieser neuen Lebensphase aktiv und unternehmungslustig zu bleiben, Energie für neue Aktivitäten zu tanken und das Erfahrungspotential auch noch im Alter zu nutzen und zu erweitern. [...] weiterlesen
Dunja Loncar Pticek, U3A, POUZ Zagreb, Kroatien
Politik beeinflusst das Leben jedes Einzelnen, dessen bin ich mir sehr bewusst, denn die Geschichte meiner Familie zeigt dies sehr deutlich.
Meine Mutter wurde zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie in Triest geboren. Ihr Vater arbeitete bei der Eisenbahn, und so fuhr meine Großmutter nach Wien, wenn sie Kleidung für ihre drei Töchter brauchte. Sie waren eine bescheidene slowenische Familie. [...] weiterlesen