Sunday, 5. September 2010

Old Home – New Home

Hildegard Neufeld, Bad Homburg, Germany

Everything started with a pamphlet that I had taken with me rather thoughtlessly, perhaps out of an unconscious wanderlust. Thousands of them are held in stock every year at travelling agencies. A little later I detected a special offer – a journey to my old home that I was forced to leave three decades ago.During my childhood, I lived in the former Free State of Gdańsk, which now belongs to Poland. More than three centuries, my ancestors possessed agricultural land in the Vistula lowlands. World War II took it from them and finally, they were forced to leave it.

On September 1st 1939, I witnessed the war’s outbreak. More than the fighting at the front that I watched from the distance, did my parents’ consternation – they had already experienced another war – leave an imprint on me. I was even more preoccupied with another change: The Free State of Gdańsk became a part of Germany again, and I, fifteen year old, suddenly became a German citizen. Instead of the Gdańsk Gulden, the Reichsmark became our new currency. At first, there was not notable change for me personally, but the war demanded more and more victims.

After World War II raged more than five years in our neighbour countries and at its end, it returned to is starting point for us: In March 1945, Gdańsk was conquered by soviet troops which meant farewell for me – from my parents, my home and from Germany. Together with thousands of refugees and the wounded, I reached Denmark by ship. After the capitulation, all German refugees in Denmark were kept in fenced internment camps until there was a chance for departure. Those were dependent on the entry clearances given by the occupying allied forces in Germany. After two and a half years of internment, I was granted a clearance for the soviet zone and was free – but for the time being without a home.

Years went by and, with solid ideas for the future, I travelled from East- to West-Germany. I reached my goals, found a new home and my aspired profession.

This was my personal situation when I went on the journey back to my old home. It was no easy journey since the past went with me, always present as well as the pain of loss, the feelings of guilt for those people who had to suffer so much from the times of war.

How would the Polish treat us in our old home? Would we be confronted with rejection, maybe even accusations or hatred?

We reached the polish holiday resort UNIMOR, close to the Baltic Sea and the Gdańsk Bay and had been built by a polish firm for their employees. The German travel oganisation “Hummel” had booked 30 books for German tourists (today also called „nostalgia-tourists”). The next week we spent there together with Polish families in simple accommodation with joint meals and events.

Until then, I had not had personal contact with our Polish neighbours. As a child, they were first adversarial neighbours for me, then wartime enemies, finally the defeated. Only later was I confronted with feelings of injustice and guilt towards our neighbours. When encountering the Polish guests, I could not suppress those feelings anymore.

The hospitality of the Polish is famous around the world, but the hearty welcome of the Polish families exceeded all my expectations. In the evening, events were organised and we, the German guests, were always invited and welcomed with a fanfare.

In the following days, my world view was trembling – nothing seemed to fit anymore. Two nations, living next to each other for centuries; arguments, fights and wars have taken place. At the beginning of the World War II were only attackers and defeated. After years, the luck changed in favour of the formerly defeated. But what had happened during the last 30 years? Who was the freed now, who was the winner? The answer was clear.

In the following days, we visited Gdańsk, the city that had once been so familiar to me and that had been destroyed almost completely. It had risen from the ashes with the help of Polish workers, craftsmen and artists. A lot of groundwork has been done there! When walking through the well-known streets, I noticed many vivid young people who were passing their time on the benches and the squares, reading, making music or cheerfully chatting. This was the new generation of young Polish, who had been growing up in Gdańsk. Gdańsk ist their home now, just as it was ours, before we had to leave it.

And here I became conscious of the fact that Gdańsk had become a new city. A new era, a new youth, a new generation had taken possession of the place of my childhood and had filled it with their life. And just like me, they were born and raised here. Gdańsk is their home, now part of Poland and not Germany anymore. It is theirs now and nobody should dispute it to them.

A contribution from the project Possible Europe.  To this and other stories in the German website “Europa Erleben”.

One comment4 comments
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  1. Auch mir ist es ähnlich ergangen wie Ihnen, Frau Hildegard Neufeld, nur habe ich wahrscheinlich etwas länger gebraucht bis ich dazu bereit war anzuerkennen, dass die neuen Bewohner meines ehemaligen Heimatortes das Recht haben, den Ort meiner Kindheit, meinen Geburtsort, mein geliebtes Mariakemend, jetzt ihr Zuhause, ihre Heimat nennen zu dürfen. Ich finde es wunderbar wie Sie schreiben, dass jetzt eine neue Zeit, eine neue Jugend, eine neue Generation Besitz ergriffen haben von den Stätten ihrer Kindheit.
    Als ich im November 1944 mit meiner Mutter und meiner Schwester aus Mariakemend/Südungarn vor dem Einmarsch der russischen Armee flüchtete, war ich gerade mal 9 Jahre alt. Von einem Tag auf den anderen wurde ich meiner behüteten Kindheit beraubt und nichts war mehr so wie vorher. Mein über alles geliebter Vater wurde ein paar Wochen vor unserer Flucht nochmal in den Kriegsdienst eingezogen und ich habe ihn nie wieder gesehen, er gilt seit April 1945 als vermisst. Im Februar 1946 kamen wir über die Steiermark, über das Lager Kienlesberg in Ulm, nach Staig,Altheim (Alb-Donau-Kreis), wo ich heute noch lebe. Von einem “Familienleben” konnten wir erst nach 10 Jahren sprechen, denn so lange hat es gedauert bis wir unsere eigene Wohnung hatten. Meine Mutter musste sich als Magd beim Bauern ihr Brot verdienen. Es ist uns nicht schlecht gegangen, doch hatten wir kein Eigenleben, da wir im Haushalt der Bauersfamilie integriert waren und keine eigene Wohnung hatten.
    So kann man vielleicht verstehen, dass ich meiner so wunderbaren Kindheit in Mariakemend lange nachtrauerte und sie wahrscheinlich im Nachhinein auch in verherrlichtem Lichte gesehen habe.
    Als ich dann im September 1972 als junge Frau mit 37 Jahren, mit meinem Mann und zwei Kindern mit großen Erwartungen zum ersten Mal die Möglichkeit hatte meinen Geburtsort zu besuchen, da war ich schockiert. Obwohl ich das Gefühl hatte “daheim” zu sein, war ich eine Fremde. Ich konnte nur noch weinen. In der vormals deutschen Gemeinde, wo alle nur deutsch gesprochen haben, hörte man kein deutsches Wort mehr. Ich war daheim und verstand die Menschen nicht mehr. Die Kinder spielten auf der Straße – ich verstand sie nicht. Ich konnte mit niemanden mehr sprechen. Das hat unendlich weh getan. Und ich verspürte eine Wut und einen Hass auf die neuen Bewohner, die es wagten sich in unseren Häusern, in unserer Gemeinde zu wohnen und ich hatte mir vorgenommen, nie mehr zu kommen.
    Doch da meine älteste Schwester bei unserer Flucht nicht erreichbar war und sie deshalb in Pecs geblieben ist, so habe ich mit meiner Familie nach 1972 beinahe jedes Jahr den Urlaub in Ungarn verbracht und jedes Mal zog es mich unweigerlich wieder nach Mariakemend. Und wenn ich so durch das Dorf oder durch die Kellerreihe wanderte, da lernte ich immer wieder neue Menschen kennen und verstehen. Auch ihnen hat das Schicksal durch die Kriegswirren übel mitgespielt und auch sie haben ihre Heimat verloren. Durch die Gespräche konnten viele Vorurteile abgebaut werden. In der Zwischenzeit kenne ich die neuen Dorfbewohner und kann mich auch ganz gut mit ihnen verständigen. Ich hege keinen Hass mehr gegen sie, im Gegenteil, ich habe viele Freunde dort und freue mich, dass sie sich in meiner Heimatgemeinde wohlfühlen. Das Ganze hat sich jedoch nur deshalb so positiv entwickelt, weil wir aufeinander zugegangen sind, weil wir versucht haben, den Anderen zu verstehen. Doch das einschneidenste Erlebnis hatte ich vor ca. sechs Jahren. Ich stand in unserer Straße und schaute wehmütig zu meinem Geburtshaus hinüber. Da kam ein kleines Mädchen fröhlich lachend aus dem Haus. Das Mädchen war ungefähr 9 Jahre alt, also genau so alt wie ich damals war, als wir flüchten mussten. Ich spürte die Freude des kleinen Mädchens, ich spürte dass sie sich in “unserem” Haus wohlfühlt. Es ist jetzt ihr Zuhause und ich kann mich sogar mit ihr freuen.

    Ich durfte bei den Projekten “Europa erleben” und “Danube-Networkers” reinschnuppern und bin begeistert über die Begegnungen mit den verschiedenen Nationalitäten. Solche menschlichen Begegnungen helfen Vorurteile abzubauen bzw. erst gar nicht entstehen zu lassen. Ich habe es, wie aus meinem Bericht hervorgeht, selbst erlebt wie schnell man mit Vorurteilen anderen gegenüber ist und nur durch Begegnungen und aufeinander zugehen erreicht man ein friedliches Miteinander.

  2. Liebe Elsa,
    Du hast einen wunderbaren Bericht geschrieben!
    Mach weiter so. Auf diese Weise kannst Du viel zur Verständigung der Menschen untereinander erreichen! Danke!
    Ganz liebe Grüße
    Bärbel

  3. Sehr geehrte Frau Koch,
    mit Interesse habe ich Ihren Berich “Kriegsende, Fluch, Vertreibung” aus Mariakemend sowie Ihren Kommentar zu “Alte Heimat-Neue Heimat” gelesen,habe ich doch gleiches durchgemacht.
    In Babarc geboren, wurde ich mit meinen Eltern im September 1947 vertrieben und landete in der schönen Sächsischen Schweiz (damals SBZ später DDR ) als sogennanter ungarischer “Umsiedler”.
    Ab 1960 habe ich meine alte Heimat regelmäßig mit meiner Familie besucht, war Ungarn doch der “kleine Westen” für uns.
    So habe die nunmehrigen kennen und achten gelert und es haben sich auch dank der dort verbliebenen Verwanten engere Kontake ergeben sei es Verschend, Boly, Mohacs,Pecs oder Babarc.
    Gestatten Sie mir bitte zwei Fragen:
    - Was sind “Golut-Leute”? (die Sie in Bericht erwähnen)
    -Woher kamen die deutsche Siedler nach Mariakemend? (das interessiert mich,da mein Großvater in Mariakemend geboren ist) Mit fr.G. Josef Weber

  4. Lieber Herr Weber,
    danke für Ihren Kommentar. Aus Ihrem Bericht zu schließen, haben Sie ein ähnliches Schicksal erlitten. Aber wir haben uns in der neuen Heimat gut eingelebt und ich bin sehr dankbar für meine neue Heimat, in der ich mich sehr wohl fühle.
    Ich bin gerne bereit Ihre Fragen zu beantworten: 1941 war in Ungarn eine große Volkszählung in welcher die Muttersprache angegeben werden musste. Viele Einwohner in Mariakemend haben angegeben, dass ihre Muttersprache “deutsch” ist, ihr Vaterland jedoch Ungarn. Doch es gab auch sehr viele in der Gemeinde, welche als Muttersprache “ungarisch” angegeben haben, obwohl in der ganzen Gemeinde nur deutsch gesprochen wurde. Die Mariakemender, die als Muttersprache “deutsch” angegeben haben, gehörten dann zum Volksbund und die anderen nannte man “Golut”. Was der Name Golut genau heißt, kann ich Ihnen aber nicht erklären. Auf jeden Fall, als die russische Armee immer näher rückte, da hatten natürlich die Deutschen Angst und sehr viele flüchteten. Diejenigen, die daheim geblieben sind, wurden aus ihren Häusern vertrieben und die jungen Leute wurden nach Russland deportiert. Die “Golut-Leute” wurden anfangs von diesen Repressalien verschont, sie durften in ihren Häusern bleiben und wurden nicht deportiert. Doch als die große Vertreibung begann, da kamen auch sie an die Reihe. Da wurde nicht mehr gefragt ob Volksbund oder Golut, da wurden alle deutschstämmigen vertrieben.

    Herr Weber, die Siedler in Mariakemend kommen hauptsächlich aus der Fuldaer Gegend. Meine Mutter ist eine geborene Gunderlach und ich kann diese Linie zurückverfolgen bis zum ersten Siedler mit Namen Gunderlach in Mariakemend. Ein Johann Gunderlach ist nachweislich im Jahre 1748 aus Wildflecken bei Fulda in Mariakemend angekommen. Zwei Brüder von ihm waren schon in Mariakemend. Dies kann man alles aus einer Steuerliste der Deutschen Kolonisten aus dem Jahre 1688 – 1752 ersehen.
    In dieser Steuerliste sind auch folgende Siedler mit dem Namen Weber aufgeführt, allerdings steht kein Herkunftsort dabei:
    Weber Johannes
    Weber Joseph (Ankömmling 1727) mit Familie
    Weber Michael mit Familie
    Weber Thomas mit Familie
    Weberin Margaretha, Wwe. (Ankömmling 1728)
    Wenn Sie mir die Namen Ihrer Großeltern mitteilen, dann kann ich evtl. herausfinden zu welcher Linie Ihre Vorfahren gehören.

    Mit freundlichen Grüßen
    Elsa Koch

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